|
Nicht lesen, kaufen!
|
Die Mittelklasse ist im Aufschwung! Mit Freuden erlebt man heutzutage, wie sich die Kategorie der Middle-Budget-Spiele hervorhebt: Spiele, die sich in ihrer Komplexität oder dem SFX-Budget etwas zurückhalten, im Vergleich zu den großen Brüdern allerdings in den restlichen Bereichen genauso viel bieten und dafür nur ein Drittel so viel kosten. Das die Xbox Live Arcade-Verkaufzahlen-Rekorde im Sturm brechende Shadow Complex von Chair und Epic Games ist hier das perfekte Beispiel und bietet ordentlich was für's Geld - abgesehen von einem Multiplayer-Modus.
Zur Story: Der Held des Spiels heißt Jason Flemming und nicht nur wegen seines Synchronsprechers (Nolan North) könnte man denken, dass er der unbekanntere Bruder von Nathan Drake, dem Helden aus Uncharted, sei. Etwa so wie Casey Affleck und Ben Affleck! Wobei Ben Affleck populär aber scheiße ist. Naja, Jason geht mit seiner Freundin Claire auf jeden Fall auf Höhlenforschung (nein, nicht auf Höhlenforschung. Ohne Kursivschrift, ihr Perversen!) und dabei stolpern die beiden rein zufällig über eine Terroristenbasis, die gerade dabei ist, eine Operation zu starten, um die Herrschaft über Amerika an sich zu reißen. Claire wird gekidnappt, Jason fällt eine Pistole in den Schoß und der Rest des Spiels besteht daraus, Claire zu finden und mit ihr abzuhauen. Das klingt jetzt zwar vollkommen gerechtfertigt für ein 15-Euro-Spiel, aber stand da nicht irgendwas von "Nach einer Geschichte von Orson Scott Card"? Also, mal ehrlich: War das jetzt wirklich notwendig, dem Kerl Geld zu schenken? So eine Geschichte hätte ich mir auch aus dem Ärmel schütteln können. Jasons Sprüche sind ja ganz flott, aber ansonsten habe ich da nichts gesehen, was in irgendeiner Weise ein Honorar für einen Screenwriter gerechtfertigt hätte.
Aber wollen wir uns nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten, schließlich bietet Shadow Complex seinen Inhalt im Gameplay, der vom Konzept zwar 1:1 von der Metroid-Reihegeklaut übernommen wurde, aber das macht ja nichts. Wenn Epic ein besseres Alt-Metroid macht, dann dürfen die das auch! Wie es für das Spielprinzip üblich ist, bewegt man den zuerst eher schwächlich ausgerüsteten Helden durch einen riesigen Komplex (Aha!) aus Gängen, Räumen und Tunneln in 2D-Seitenansicht mit dem einzigen Unterschied, dass wir uns eigentlich in einer durch die hauseigene Unreal 3-Engine gestützten 3D-Umgebung befinden. Mit der Rotation des rechten Thumbstick können wir in jede beliebige Richtung schießen und sollten einmal Gegner im Hintergrund erscheinen, dann werden diese auch automatisch mit einem Druck in die generelle Richtung erfasst. Mit der Zeit finden sich immer mehr Werkzeuge und Ausrüstungsgegenstände, die Jason das Durchlaufen und Erkunden der Karte erleichtern und neue Areale aufschließen, alles während sich einem ein konstanter Strom an Fußsoldaten entgegenstellt.
So locker schieße ich auch immer auf Verräter am Vaterland...
...Gegen den man schon fast lachhaft einfach ankommt. Da ist eine ganze Basis voller ausgebildeter Söldner und ich komme da als pazifistisches Soldatensöhnchen angelaufen und pflücke mit einer lausigen Handfeuerwaffe ein maskiertes Feindbild nach dem anderen bis zur nächstgrößeren Wumme nieder. Dabei ist die Waffenbalance eigentlich ziemlich gut geregelt: So etwa pro neues Missionsziel bekommt man eine schönere Waffe mit unendlich Munition in die Hand gespielt, mit der man dann weitere Fußtruppen umpusten kann - wobei es sich dabei in den allermeisten Fällen nur um stärkere und noch stärkere Sturmgewehre handelt. Zudem gibt es noch Raketen, Handgranaten, eine Schaumkanone, die Gegner kurzzeitig außer Gefecht setzt, und einen Enterhaken, ohne den man ja heutzutage in keinem Adventure mehr auskommt. Mit erschossenen Gegnern sammeln sich Erfahrungspunkte und Jason steigt Level auf. Da man allerdings keine Punkte auf die Statuswerte selber verteilen kann und man ohne Mühe schnell genug durch das einfache Verfolgen des Hauptplots zu neuen Charakterstufen kommt, hätte man das Ganze auch einfach in den Hintergrund verlegen können, das hätte dann vielleicht noch auf subtile Weise zu einem gesteigerten Machtgefühl beigetragen, welches man ohnehin schon durch die gesammelte Ausrüstung erfährt: Später braucht man zu den härteren "normalen" Gegnern nur hinlaufen und die Hauen-Taste drücken, um sie komplett auszuschalten. Rüstung und Energie zum Ignorieren von Feindfeuer hat man dann auch irgendwann. Oder man läuft mit Schallgeschwindigkeit jeden Opponenten einfach um.
Nicht gephotoshopt: Jesusason läuft wirklich über's Wasser.
Die wahre Herausforderung ist allerdings auch nicht das Kämpfen, sondern das 100%-ige Erkunden des Komplex und das Finden aller Gegenstände. Schließlich heißt das Spiel Shadow Complex und nicht Shadow Gunfight. Und das Suche und Finden von Gegenständen entwickelt sich gerade zu einer richtigen Sucht. Auf clevere Weise sind Türen, Klappen und sonstige Objekte bei Bestrahlung durch die Taschenlampe farblich kodiert, so dass man sie mit den bereits erwähnten Waffen (von der Granate bis zum Schalllauf) zumeist aus dem Weg sprengen kann. Dabei muss man - auch wenn auf der Karte angezeigt wird, dass sich in diesem Raum ein Item befindet - doch schon hier und da den Hirnmuskel zum Rauchen bringen, um an das Objekt der Begierde zu kommen. Einen kleinen Strich durch die Rechnung, auch beim Kampf, macht einem da Jasons absonderlich greiffreudiges Verhalten: Der Kerl kann gar nicht anders, als nach Rändern zu greifen. Da will man über ein kniehohes Hindernis springen und der Kerl klammert sich daran fest wie ein Gorillababy am haarigen Rücken seiner Mutter. Auch kommt es manchmal blöd, dass bereits kaputtierte Objekte (ebenso wie Gegner) beim erneuten betreten eines Gebiets immer wieder neu spawnen. Da sprengt man sich eine Abkürzung zwischen zwei Gebieten, geht hindurch, verlässt das Gebiet und kommt wieder zurück, nur um zu bemerken, dass auf mysteriöse Weise zwei exakt gleich aussehende Steine den Platz der gerade eben erst weggesprengten Exemplare eingenommen haben - nur befindet man sich nun in einer Position, in der man keine Granaten mehr legen kann. Dumm gelaufen.
Während die erste Begegnung mit dem Spinnen-Bot noch ein echter Kampf ums Überleben ist, killt man seine Blechkumpanen-Brüder später unbewusst im Vorbeilaufen.
Als letztes erwähnenswertes Bonbon sei wohl die überaus sehenswerte Grafik zu nennen. Zwischensequenzen befinden sich durchgehend auf der Qualität des gehobenen Xbox-360-Standards und Explosionen (davon gibt es viele) sowie andere Spezialeffekte und Animationen sind auch nicht von schlechten Eltern. Besonders witzig sind die Feindbewegungen, wenn man ihnen Granaten oder anderes, explosives Material vor die Füße rollt: Dann reagieren sie auf eine Vielzahl von Arten auf ihren unausweichlichen Tod, ab und zu durch scheiternde Flucht-Versuche, häufig aber auch durch amüsant anzuschauende "Awwww... Crap"-Gesten. Da haben sich die Entwickler Mühe zum Detail erlaubt und das muss entsprechend honoriert werden!
Darf man noch nach mehr Grafik verlangen ohne bescheuert zu sein?
Shadow Complex ist sein Geld allemal wert und verdient sich seinen Platz an der Spitze der Xbox Live Arcade-Downloads, trotz der lachhaften Story. Das Spiel ist zwar weder überaus lang (selbst wenn man zu 100% durchspielt, sollte man unter 10 Stunden fertig sein) oder schwer (für die, die's wissen wollen, gibt es nach dem Durchspielen einen Insane-Schwierigkeitsgrad), dafür bekommt man eine harte Dosis gut komprimierten Spaß nach Machart der alten Schule mit hypertoller Grafik. Und wer dann noch mehr erwartet, der hat für 15 Euro definitiv zu hohe Ansprüche. Rian
Zur Story: Der Held des Spiels heißt Jason Flemming und nicht nur wegen seines Synchronsprechers (Nolan North) könnte man denken, dass er der unbekanntere Bruder von Nathan Drake, dem Helden aus Uncharted, sei. Etwa so wie Casey Affleck und Ben Affleck! Wobei Ben Affleck populär aber scheiße ist. Naja, Jason geht mit seiner Freundin Claire auf jeden Fall auf Höhlenforschung (nein, nicht auf Höhlenforschung. Ohne Kursivschrift, ihr Perversen!) und dabei stolpern die beiden rein zufällig über eine Terroristenbasis, die gerade dabei ist, eine Operation zu starten, um die Herrschaft über Amerika an sich zu reißen. Claire wird gekidnappt, Jason fällt eine Pistole in den Schoß und der Rest des Spiels besteht daraus, Claire zu finden und mit ihr abzuhauen. Das klingt jetzt zwar vollkommen gerechtfertigt für ein 15-Euro-Spiel, aber stand da nicht irgendwas von "Nach einer Geschichte von Orson Scott Card"? Also, mal ehrlich: War das jetzt wirklich notwendig, dem Kerl Geld zu schenken? So eine Geschichte hätte ich mir auch aus dem Ärmel schütteln können. Jasons Sprüche sind ja ganz flott, aber ansonsten habe ich da nichts gesehen, was in irgendeiner Weise ein Honorar für einen Screenwriter gerechtfertigt hätte.
Aber wollen wir uns nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten, schließlich bietet Shadow Complex seinen Inhalt im Gameplay, der vom Konzept zwar 1:1 von der Metroid-Reihe
So locker schieße ich auch immer auf Verräter am Vaterland...
...Gegen den man schon fast lachhaft einfach ankommt. Da ist eine ganze Basis voller ausgebildeter Söldner und ich komme da als pazifistisches Soldatensöhnchen angelaufen und pflücke mit einer lausigen Handfeuerwaffe ein maskiertes Feindbild nach dem anderen bis zur nächstgrößeren Wumme nieder. Dabei ist die Waffenbalance eigentlich ziemlich gut geregelt: So etwa pro neues Missionsziel bekommt man eine schönere Waffe mit unendlich Munition in die Hand gespielt, mit der man dann weitere Fußtruppen umpusten kann - wobei es sich dabei in den allermeisten Fällen nur um stärkere und noch stärkere Sturmgewehre handelt. Zudem gibt es noch Raketen, Handgranaten, eine Schaumkanone, die Gegner kurzzeitig außer Gefecht setzt, und einen Enterhaken, ohne den man ja heutzutage in keinem Adventure mehr auskommt. Mit erschossenen Gegnern sammeln sich Erfahrungspunkte und Jason steigt Level auf. Da man allerdings keine Punkte auf die Statuswerte selber verteilen kann und man ohne Mühe schnell genug durch das einfache Verfolgen des Hauptplots zu neuen Charakterstufen kommt, hätte man das Ganze auch einfach in den Hintergrund verlegen können, das hätte dann vielleicht noch auf subtile Weise zu einem gesteigerten Machtgefühl beigetragen, welches man ohnehin schon durch die gesammelte Ausrüstung erfährt: Später braucht man zu den härteren "normalen" Gegnern nur hinlaufen und die Hauen-Taste drücken, um sie komplett auszuschalten. Rüstung und Energie zum Ignorieren von Feindfeuer hat man dann auch irgendwann. Oder man läuft mit Schallgeschwindigkeit jeden Opponenten einfach um.
Nicht gephotoshopt: J
Die wahre Herausforderung ist allerdings auch nicht das Kämpfen, sondern das 100%-ige Erkunden des Komplex und das Finden aller Gegenstände. Schließlich heißt das Spiel Shadow Complex und nicht Shadow Gunfight. Und das Suche und Finden von Gegenständen entwickelt sich gerade zu einer richtigen Sucht. Auf clevere Weise sind Türen, Klappen und sonstige Objekte bei Bestrahlung durch die Taschenlampe farblich kodiert, so dass man sie mit den bereits erwähnten Waffen (von der Granate bis zum Schalllauf) zumeist aus dem Weg sprengen kann. Dabei muss man - auch wenn auf der Karte angezeigt wird, dass sich in diesem Raum ein Item befindet - doch schon hier und da den Hirnmuskel zum Rauchen bringen, um an das Objekt der Begierde zu kommen. Einen kleinen Strich durch die Rechnung, auch beim Kampf, macht einem da Jasons absonderlich greiffreudiges Verhalten: Der Kerl kann gar nicht anders, als nach Rändern zu greifen. Da will man über ein kniehohes Hindernis springen und der Kerl klammert sich daran fest wie ein Gorillababy am haarigen Rücken seiner Mutter. Auch kommt es manchmal blöd, dass bereits kaputtierte Objekte (ebenso wie Gegner) beim erneuten betreten eines Gebiets immer wieder neu spawnen. Da sprengt man sich eine Abkürzung zwischen zwei Gebieten, geht hindurch, verlässt das Gebiet und kommt wieder zurück, nur um zu bemerken, dass auf mysteriöse Weise zwei exakt gleich aussehende Steine den Platz der gerade eben erst weggesprengten Exemplare eingenommen haben - nur befindet man sich nun in einer Position, in der man keine Granaten mehr legen kann. Dumm gelaufen.
Während die erste Begegnung mit dem Spinnen-Bot noch ein echter Kampf ums Überleben ist, killt man seine Blechkumpanen-Brüder später unbewusst im Vorbeilaufen.
Als letztes erwähnenswertes Bonbon sei wohl die überaus sehenswerte Grafik zu nennen. Zwischensequenzen befinden sich durchgehend auf der Qualität des gehobenen Xbox-360-Standards und Explosionen (davon gibt es viele) sowie andere Spezialeffekte und Animationen sind auch nicht von schlechten Eltern. Besonders witzig sind die Feindbewegungen, wenn man ihnen Granaten oder anderes, explosives Material vor die Füße rollt: Dann reagieren sie auf eine Vielzahl von Arten auf ihren unausweichlichen Tod, ab und zu durch scheiternde Flucht-Versuche, häufig aber auch durch amüsant anzuschauende "Awwww... Crap"-Gesten. Da haben sich die Entwickler Mühe zum Detail erlaubt und das muss entsprechend honoriert werden!
Darf man noch nach mehr Grafik verlangen ohne bescheuert zu sein?
Shadow Complex ist sein Geld allemal wert und verdient sich seinen Platz an der Spitze der Xbox Live Arcade-Downloads, trotz der lachhaften Story. Das Spiel ist zwar weder überaus lang (selbst wenn man zu 100% durchspielt, sollte man unter 10 Stunden fertig sein) oder schwer (für die, die's wissen wollen, gibt es nach dem Durchspielen einen Insane-Schwierigkeitsgrad), dafür bekommt man eine harte Dosis gut komprimierten Spaß nach Machart der alten Schule mit hypertoller Grafik. Und wer dann noch mehr erwartet, der hat für 15 Euro definitiv zu hohe Ansprüche. Rian
Bisher gibt es keine Kommentare.
» Autor: Rian
» Erschienen: 22.09.2009
» Tags: In-Game, Shadow Complex, Epic Games, Chair, Xbox Live Arcade, Action, Metroid, 3D, Sammelfieber, Nolan North;
» Erschienen: 22.09.2009
» Tags: In-Game, Shadow Complex, Epic Games, Chair, Xbox Live Arcade, Action, Metroid, 3D, Sammelfieber, Nolan North;
|
This is a true story
|
|
Wie wenig Menschen wissen...
|
|
Konter-Smash-POWER!
|


» Facebook
» Artikel als Feed