Skies of Arcadia
Rollenspiel vom Feinsten
Ist euch eigentlich aufgefallen, dass keiner mehr J-RPGs spielt und wenn, dass das immer der neunte oder dreizehnte Teil einer Serie ist? Das liegt daran, dass die östliche Spielekultur den Bach runtergeht. Wo sind denn die guten, neuen Franchises für die großen Konsolen? Mal abgesehen von Lost Odyssey war alles, was für die 360 bisher rauskam, totaler Müll. Und für die PS3, die Hochburg der J-RPGs? Star Ocean: The Last Hope? Durchschnittlich. Demon's Souls? Stark westlich inspiriert und zählt nicht. White Knight Chronicles? Enttäuschend. Tales of Vesperia? Redet keiner drüber. Enchanted Arms? AHAHAHAHAHA! Bleibt noch Valkyria Chronicles als EIN gutes Rollenspiel, das nicht zu den üblichen japanischen Gelddruckmaschinen gehört.

Da wir nun alle gemeinsam von der modernen japanischen Spieleindustrie deprimiert sind, wende ich mich genüsslich der guten alten Zeit zu und gleichsam der besten Konsole der Welt. Für die gab es zwar auch nicht viele herausragende Rollenspiele, aber die, die kamen, gehörten zu den besten - wie Grandia 2 und Skies of Arcadia, wobei ich über letzteres reden möchte.

Willkommen in Arcadia!

Hype-Entschuldigung vorweg: Ich bin ja ein ausgesprochen riesiger Fan von Eiichiro Odas One Piece. Natürlich stehen bei mir komplett alle bisherigen Manga im Regal und ich bin extra letztes Jahr nach Tokyo geflogen, um mir ein bisschen Merchandise zu kaufen; um zwei Schlüsselanhänger reicher (Ruffy und Chopper <3) bin ich dann auch gleich am nächsten Tag nach Hause zurückgekehrt.
Da sollte es dann also auch nicht weiter verwunderlich sein, dass ich total auf Skies of Arcadia stehe, schließlich geht es da um Piraten. Und nicht nur um stinknormale Piraten, sondern um LUFTpiraten! Arcadia ist nämlich ein Himmelsreich mit schwebenden Inseln, wo es recht egal ist, wenn man nicht schwimmen kann, dafür aber umso fataler, wenn man nicht fliegen kann. Was da keiner vermag. Es macht sich also keiner die Mühe "Mann über Boooooord!" zu rufen. Gefährliche Gegend! In dieser Welt wohnt der Blue Rogue Vyse - Blue Rogues sind, im Gegensatz zu den gemeinen Black Pirates, sowas wie die Robin Hoods der Freibeuter - der mit seiner Kollegin Aika und dem Rest der Piratenbande seines Vaters gerade ganz werktäglich dabei ist, ein admirälisches Schlachtschiff des valuanischen Empires auseinander zu nehmen, als sie dabei rein zufällig ein geheimnisvolles, gefangen genommenes Mädchen der vergessenen Zivilisation der Silviter befreien.

"Zehn von denen gegen zwei von uns? Die tun mir ja schon fast leid!"

Eine Schatzsuche, einen Schiffbruch, eine verhinderte Hinrichtung und eine Flucht aus einer unneinnehmbaren Festung später verrät uns diese Fina dann auch, dass sie auf einer geheimen Mission ist, die sogenannten Moon Crystals zu finden - unter jedem der sechs Monde Arcadias soll es einen geben und diese sind die Steuerungseinheiten für Massenvernichtungswaffen aus der alten Zeit, die sogenannten Gigas. Damit das böse valuanische Empire diese Steinchen nicht in seine dreckigen Finger bekommt, schließen sich Vyse und Aika dem jungen Mädchen an und erleben eine Menge spannender Abenteuer voller bunter Grafik, Freundschaft und Awesomeness! Ungelogen.

Das Spiel ist sogar so gut, dass ich gar nicht über das Kampfsystem zu reden brauche. Ja, klar, es ist auch gelungen und es ist witzig, wie meine Dreamcast immer vor Kampfbeginn rattert, so dass ich noch mal schnell ins Menü kann, um meine Chars zu heilen, und wie dann die Übergänge zum Kampf aussehen wie ein alter Windows-Bildschirmschoner. Es ist zudem ganz stinknormal rundenbasiert, es hat ein paar taktische Kniffe mit dem Spirit-Pool, aus dem alle Gruppenmitglieder ihre Superangriffe ziehen können und so, aber es ist nicht das, was an dem Spiel so viel Spaß macht. Das ist nämlich ALLES ANDERE! Und die Schiffskämpfe. Oh mein Gott, die Schiffskämpfe!

Meine Damen und Herren, ich präsentiere: Aikas Höschen!

Hat man erst einmal ein Schiff, das sich ordentlich wehren kann, kloppt sich nämlich immer mal wieder unser Kahn mit Monstern, Korvetten und Kreuzern aller Größenordnungen. Dabei kann man für jedes Gruppenmitglied einen Befehl ansetzen, die man am besten günstig entlang der gegebenen Schadensschätzung verteilt - in grünen Runden hat man nichts zu befürchten, in gelben und roten sollte man besser ausweichen und auf CRIT!-Runden sollte man sein Feuer konzentrieren. Dazu gibt es dann auch noch ein paar Spezialwaffen wie Hilfskanonen und Torpedos, die entweder über mehrere Runden automatisch feuern oder deren Einschlags-Zeitpunkt man festlegen kann. Nicht nur das: Im Kampf darf man geskriptet häufiger Entscheidungen treffen (zum Beispiel "Willst du darauf warten, was der Gegner tut oder ihm aktiv in den Rücken fallen?"), wie man denn nun kämpfen möchte, was die nächsten Runden kritisch verändern kann. Eine schlechte Entscheidung und plötzlich hat man einen ganzen Arsch voller roter Runden! Andererseits kann einen eine gute Entscheidung in eine Position bringen, wo man seine SPEZIALWAFFE einsetzen kann, was für viele kleine Gegner den sofortigen Tod bedeutet.

Bang, bang, boom! - Epische Schlachten!

Oh, richtig, Entscheidungen. Das Setting von Skies of Arcadia ist allgemein schon sehr gelungen: Man sieht viele verschiedene Länder, man baut eine starke Kameradschaft zu seinen Freunden auf, findet viele Leute, denen man helfen kann, alles sehr herzerwärmend. Der gekonnte Clou kommt aber durch ein Ingame-Bewertungssystem namens "The Swashbuckler". In schwierigen Situationen der Story bekommt Vyse nämlich immer wieder die Gelegenheit, Entscheidungen zu treffen und auf Fragen zu antworten und seine Meinung kund zu tun. Lasst euch nicht irritieren: Es gibt nur eine Storyline. Aber darum geht es hier auch gar nicht, denn alles, was zählt, ist das Vertrauen zu seiner Crew! Bei einer guten Entscheidung bekommt man als Spieler ein herzhaft belohnendes TSCHING!-Geräusch (das ist so befriedigend wie das Achievement Unlocked-Blippen!), epische Musik und eine ergreifende Ansprache des Protagonisten! Kameradschaft ist wichtig und reißt einen tief ins Spiel! Ist die Wahl mal nicht so glücklich getroffen worden, sind seine Leute von Vyse enttäuscht und müssen ihn erst einmal zur Besinnung prügeln. Das hat dann nicht nur Auswirkungen auf die Atmosphäre, sondern auch auf Vyses Titel - und je höher sein Titel, desto mehr kritische Treffer machen seine Freunde im Kampf. Everything is connected!


Ebenfalls sehr wichtig ist der Erkundungsfaktor der Welt. Normalerweise hasse ich es, Welten in Rollenspielen erkunden zu müssen, aber hier gibt es für jede Entdeckung, die man macht, hartes Gold! Oder man kann Finas Waffe aufwerten! Oder man findet neue Crewmitglieder, die das Schiff passiv verstärken! Oder Moonberries, die geile Spezialangriffe der Hauptcharaktere freischalten! Ist also alles sehr lohnend und da man bereits sehr früh einen Großteil der wunderschönen, blaubehimmelten Welt Arcadias durchfliegen kann, macht es sehr viel Spaß, einfach mal hierhin und dorthin zu driften - selbst wenn man dann Random Encounters über sich ergehen lassen muss.

Insgesamt ist sowieso alles tierisch sympathisch in diesem Spiel. Die Grafik ist bunt und detailverliebt und man möchte sich am liebsten reinsetzen, die Story einfach und trotzdem mitreißend, die Musik leichtherzig und stimmig - es ist alles so, wie es soll! Man kann sogar so ziemlich jedes Objekt im Spiel von Vyse untersuchen lassen und er labert dann ein paar Takte dazu, warum jemand ein FASS einfach so hat HERUMSTEHEN lassen und dass das MÄCHTIG ÄRGER von seinem VATER geben wird! Wann haben nehmen sich denn Entwickler heutzutage noch die Zeit für sowas?

Das Glasauge ist nicht nur hübsche Deko.

Wenn ihr einen Dreamcast habt und nicht dieses Spiel, dann zweifle ich ernsthaft an eurem Verstand. Wenn ihr einen Gamecube oder eine Wii habt und euch mal das Remake mit Bonusmaterial, Skies of Arcadia: Legends, günstig über den Weg läuft, dann

SCHLAGT ZU! OH MEIN GOTT, SCHLAGT ZU! UND DANN GEBT ES MIR, ICH WILL ES HABEN! GIBGIBGIBGIBGIBGIBGIBGIBGIB GIIIIIIIIIIIIBAAAAAAAAAAAAAAAAA

...Ich gehe jetzt meinen Schiffsantrieb mit Moonstones befüllen. Rian
05.03.2010 | Rian | In-Game
6 Kommentare
» Kommentare
Damien am 05.03.2010 um 21:23 Uhr
Japano-Rollenspiele fristen in dieser Generation in der Tat nur noch ein Schattendasein.

Jedem Liebhaber solcher Spiele, der auch vor Retrogaming nicht zurückschreckt, kann ich ausdrücklich empfehlen, sich Xenogears zu besorgen, das 1998 für die PSX erschienen ist. Definitiv eines der besten, wenn nicht sogar der Beste, Vertreter des Genres. Handlung und Präsentation schlagen meiner Meinung nach sogar FF7. Wobei das natürlich auch immer etwas Geschmackssache ist.

Auf der PS2 ist angelehnt an das Spiel die Xenosaga-Reihe erschienen, welche von der Timeline her vor Xenogears ansetzt und im Bezug auf Storytelling und Soundtrack völlig neue Maßstäbe für das Medium setzt. Leider ist hierzulande nur der 2. Teil der Trilogie erschienen. Für Fans von scifi-RPGs ein absolutes Muss.

Also, ich freue mich auf ein Review! :P
Rian am 05.03.2010 um 21:42 Uhr
Ich bash das dann absichtlich, nur um dich zu verärgern :P
Damien am 05.03.2010 um 22:02 Uhr
Mir egal, Hauptsache irgendjemand aus eurer Redaktion gibt diesem verkanntem Meisterwerk eine Chance! ;)
Rian am 06.03.2010 um 23:10 Uhr
Oh, PS: Spiel für textlich komplett eingedeutscht. Und das gar nicht mal übel.
Ralle am 08.03.2011 um 12:52 Uhr
Habe es die letzten Tage auf Gamecube angespielt, und ich muss ja sagen, dass es wirklich, wirklich wunderschön wäre, würde es da nicht ein Problem geben.... ES IST SOOOOOOOOOOOOOOOOOO LANGSAM! In unserer Welt, die heutzutage einfach so unnnötig hektisch ist, hat finde ich einfach keine Zeit mehr dafür, 10 Minuten mit einer normalen Zufallsbegegnung zu verbringen. Und das, was in den 10 Minuten dann passiert ist auch nur "Kameraschwank, Char lächelt, nochmal Kameraschwank, Monster schaut blöd, endlich Befehl eingeben... Kameraschwank..." Waaah. =(
Rian am 08.03.2011 um 20:13 Uhr
Man up and chill out. D:
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