Sorcery Gewinnspiel!
Skat
Herz der Karten < Kreuz der Karten
Typischer Technologie-Baum für ein heutiges Rundenstrategiespiel
Wir Gamer haben ja eine Menge komplizierter Spiele, mit denen wir uns selbst quälen: Sandbox Games und westliche Rollenspiele á la Morrowind haben Spielewelten von einer Größe, so dass man sich in ihnen locker verlaufen, anschließend verhungern und von wilden Bären gefressen werden kann. Strategie-, Taktik- und Aufbauspiele, wie etwa Civilization, warten mit ausgefeiltem Micro-Management und kilometerlangen Tech-Trees auf. West- sowie Ost-RPGs, etwa Final Fantasy X, geben dem Spieler ein zu Beginn vielleicht nicht ganz durchschaubares Level-System an die Hand, bei dem man erst ab der Hälfte des Spiels bemerkt, dass man sich gnadenlos verskillt hat. Und Steel Battalion hat einen eigenen Controller mit 40 Tasten.

Jedoch kommt nichts, aber auch GAR NICHTS, an die Masse von Masochismus heran, die sich Anwender des Kartenspiels SKAT zumuten.

Skat kommt vom umgangssprachlich englischen Wort scat und bedeutet KACKE. Zufall? Diese Frage stellen sich Skat-Spieler gar nicht erst.
Ist doch wahr. Da bekommt man beim Skat erst einmal eine Tabelle geliefert (die sowieso alle Skat-Spieler auswendig können), welchen Wert man als Basis bekommt, wenn man ein bestimmtes Spiel spielen möchte. Welches Spiel man spielen will, hängt natürlich von den Karten ab, die man bekommen hat. Dann wird über die Art der Buben, die man auf der Hand hat, und deren Anzahl entweder rückwärts oder vorwärts ein Multiplikator berechnet, den man mit der Basis mal nimmt. Das ist dann der Wert, mit dem man sich mit anderen Mitspielern darauffolgend battled. Man könnte auch einfach sagen, auf welchen Wert man kommt, aber dann könnten sich die anderen ja schon denken, was man spielen möchte! Und dadurch erraten sie dein Blatt! Kannst du das zulassen? NEIN! Also los geht's:

"18"

"Japp."

"20."

"Japp."

"21."

"Si."

"22."

"Auch."

...

"116."

"Ja."

"117."

"Ebenfalls."

"118."

"Raus."

(Auf die Richtigkeit der angegebenen Zahlen bezüglich ihrer Möglichkeit beim Skat ist kein Gewähr gegeben. Als ob ich mir merken würde, welche Produkte alle valide sind!)

Ausnahmen gibt es natürlich, wo dann der Multiplikator weggelassen wird, und es gibt auch noch ein paar Sonderspiele, aber die covere ich jetzt nicht, sonst wird das hier noch zu SCHWIERIG. Also, nehmen wir mal an, dass jemand diesen Kampf mit seinen beiden Mitspielern gewonnen hat, dann ist er der Spielleiter, weil er die Spielart angeben darf und so einen Vorteil hat. Die anderen beiden Spieler machen jetzt eine unheilige Allianz und ihr Ziel ist es, dass der Spielleiter verliert. Wie, was? Ja, das war erst die Vorspeise. Das Hauptgericht kommt ja erst noch! Ihr habt ja keine Ahnung!

Jetzt wird gestochen! Ein Spieler (auch hier gibt es wieder tiefschürfende Regelungen, wer als erstes dran ist) legt eine Karte ab, die, je nach Art des Spiels, entweder Trumpf ist oder nicht. Die anderen Spieler müssen eine Karte von derselben Farbe legen bzw. einen Trumpf spielen. Haben sie nichts dergleichen, dürfen sie spielen, was sie wollen, dabei sind andere Farben (etwa Pik bei einem zuerst gespielten Herz) automatisch komplett wertlos. Außer Trümpfe! Wer die höchste Karte in diesem Stich spielt (aufsteigende Zahlen bis neun, Dame, König, zehn, Ass. Das ist doch verrückt!), der bekommt den Stich. Am Ende gewinnt der, der die meisten Punkte hat. Buben sind immer Trumpf. Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt auch Spiele, bei denen es überhaupt nicht auf Punkte ankommt. Ist sowieso zuletzt immer so, dass der gewinnt, der auf die meisten Fragezeichenfelder gekommen ist und am häufigsten von Bowser gehauen wurde, obwohl er während des ganzen RICHTIGEN Spiels keinen einzigen Stern gesammelt hat! Es gilt also ganz heimtückisch auf ausgespielte Karten zu achten, zu berechnen, welcher Gegner welche Karten auf der Hand haben könnte, sich auszumalen, was das Gegenüber als nächstes machen könnte, und das unmerkliche Anbringen von Spiegeln im gesamten Raum hinter deinen Feinden. Also eine verfluchte Menge an Vorbereitung und sehr viel Zifferschaukelei im Kopf.

So. Dämmert's schon? Zahlentabellen. Spieler, die sich gegen den Spielleiter verbünden. Eine ganze Tonne an Regeln, Ausnahmeregeln und Ausnahmeregeln für diese Ausnahmeregeln. Verschiedene Spielmodi. Multiplikatoren. Das Hineinversetzen in andere Personen. Das riecht doch förmlich nach... Abenteuer... Und ich spreche es aus:

SKAT. IST. DUNGEONS & DRAGONS.

...für Kneipenbesucher und alte Menschen. Anstatt das Langschwert zu zücken und einen Oger zu enthaupten, indem sie ihren Angriffsbonus aktualisieren, dann vom Defensivfaktor des grünen Unholds abziehen und schließlich bei der Schadensberechnung eine kritische 20 würfeln, stechen sie lieber mit einem Kreuzbuben zu, wenn die Gegner denken, man hätte nichts mehr und sie könnten gut ihre Zehnen und Asse spielen, um sich Punkte zu sichern! BAM!

Und jetzt guckt ihr blöd, weil ihr das noch nicht früher erkannt habt. Aber das ist mir egal. Ich geh' jetzt Baldur's Gate zocken. Rian würfelt einen kritischen Kreuz-Buben.
07.08.2009 | Rian | Kartenwegmachkarten
3 Kommentare
» Kommentare
Quis am 07.08.2009 um 01:16 Uhr
http://www.youtube.com/watch?v=TyqkPMSfLFI

Da erinnerte ich mich doch spontan hieran... ^^
Jozu am 07.08.2009 um 14:05 Uhr
Ich habe früher viel Skat gespielt. Allerdings könnte ich das Spiel jetzt niemanden mehr beibringen. Es ist das Anti-Fahrradfahren - Man verlernt es auf jeden Fall!
KenDeep am 07.08.2009 um 15:37 Uhr
Hey, ich hab Fahrradfahren verlernt - 3 mal! >:(
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