Souls and Swords
...but the soul still burrrrrns
Soul Calibur begleitet mich schon einen Großteil meiner Zockerzeit und erhob wesentliche Einflüsse auf mein Umfeld (siehe Titel).


<3
Ich kam zwar nie in den Genuss von Soul Blade für die PSX, aber den Release des genialen ersten Teils der neuen Serie für den Dreamcast durfte ich live und in Farbe miterleben. Megaschnelles Kämpfen in 3D, wow. Da sind mir damals vielleicht die Augen übergegangen. Mein Dreamcast ist ja sogar auf dem einen oder anderen Urlaub mitgewandert und da war der (selbst zur Zeit der ersten Xbox immer noch) wunderschön ausschauende Waffenbeater neben 4-Spieler-Virtua Tennis-Sessions eine absolut abendfüllende Attraktion (der Dreamcast ist aufgrund seines quasi nicht-existenten Gewichts übrigens ein wunderbares Reise-Accessoire).

Dann erschien Soul Calibur 2, was... eigentlich in allen Belangen besser war als der erste Teil. Ausgeschmückter Waffenmeister-Modus, bessere Grafik, flüssigeres Gameplay. Der Rian war zufrieden und der Prügler fand selbst bis vor Kurzem immer noch seinen Weg ins Laufwerk, um ein bisschen auf Maxi einzudreschen.

Die dritte Instanz, die exklusiv für die PS2 daherkam, war dagegen von meiner Seite recht gemieden worden. Nex hat sich das Teil zwar gekauft, aber irgendwie waren wir mit dem Gameplay nicht sehr zufrieden und die Grafik war wegen Playstations Matschetexturen natürlich ein totaler Rückschritt. Disapproved. Also wurde weiter SC2 gespielt.

Bis dann der erste Teaser einschlug:


Hm.

Was sollte ich davon halten? Einerseits war ich aufgeregt - endlich wieder eine neue (und letzte) Saga um das Dämonenschwert und seinen guten Zwillingsbruder. Aber viele Fragen rankten sich in meinem Kopf herum: Kommt es überhaupt für die 360? Ist es wieder so enttäuschend wie Soul Calibur 3? Sind Ivys Brüste etwa schon wieder größer geworden?

Während die Antwort auf die letztere Frage sich natürlich erübrigt (welcher Beat 'em Up-Hersteller hat jemals Brüste so gelassen wie sie sind/verkleinert?), machten mir die anderen Sorgen. Ich beruhigte mich aber einfach erst einmal mit dem Gedanken, dass ich ja Soul Calibur 2 habe und das zur Not reichen würde. Ha-hah!

...die Sorge hielt natürlich an, was denkt ihr denn? Bis vor vier Tagen habe ich am ganzen Leib geschlottert, weil Trailer, egal wie gut sie aussehen, bei einem Beater total nichtssagend sind. Da können noch alle möglichen Schlampereien in der Spielmechanik passieren. Der Singleplayer könnte verkackt werden. Oder - um Gottes Willen: Sie könnten die japanische Sprachausgabe entfernen!

Als Marc dann endlich in meinen Briefkasten geklettert ist und ein Geschenk für mich artigen Zocker hinterließ, ich die Packung wie ein wildes Tier zerriss und die Disc in die 360 einlegen durfte, hat sich Nex neben mich gepflaumt und wir haben uns ohne große Umwege auf den Standard-Multiplayer gestürzt. Ein Seufzen der Erleichterung verließ den Raum: Das Gameplay war in Ordnung. Alles war gut.


Dagobah-Yoda und der Apprentice aus Star Wars: Unleashed sind auf der 360 zu finden, während letzterer und Röchel-Vader die PS3 unsicher machen. Ein freier Platz im Character Select-Screen lässt allerdings stark vermuten, dass die beiden SW IV-VI-Veteranen auch noch als downloadable content ihren Weg auf die jeweils andere Konsole finden werden.
Dann begann natürlich die Feinanalyse, gleich beginnend bei der Kampfmechanik an sich. Geändert hat sich vom zweiten Teil her natürlich nicht so wirklich viel. Die Macht des 8-Way-Run, sprich: das Ausweichens, wurde mal wieder ein wenig entkräftet durch Verlangsamung. Beim ersten Teil war das noch ein Kreisen und Tanzen! Combos wurden abermals verlängert (davon hat mal wieder dieser Stinker Mitsurugi profitiert. Der wird auch mit jedem Teil stärker), hinzugefügt, verändert und auf andere Tasten gelegt. Merklich war vor allem, dass viele imba-Manöver entweder geschwächt oder gänzlich entfernt wurden. Raphael, der seinen Stil jetzt an seine Ziehtochter Amy vererbt hat, besaß im zweiten Teil so eine ganz simple Vertikal-Vorne-Sequenz, mit der man eigentlich jeden besiegen konnte, der nicht schon zwanzig Mal vom Rapier aufgeschlitzt wurde und genau weiß, wann man zuschlagen darf und wann man VERDAMMT NOCH MAL ZU BLOCKEN HAT.
Sehr bemerkbar machen sich auch die vereinfachten Ring-Outs durch die Havok-Engine (jetzt gibt's keine "unsichtbaren Wände" mehr, an denen die Charaktere in der Luft einfach hängen bleiben) und der größere Hit-Bereich für Griffe. Die Noobs online kann man richtig schön damit überraschen, dass sie im Aufstehen gegriffen werden können. HAH!

Einzige Neuerung in der Spielmechanik ist eigentlich nur das Soul Gauge, welches in etwa wie die Rock-Anzeige im Multiplayer von Guitar Hero funktioniert: Je mehr Angriffe man landet, desto "gesünder" leuchtet der Kristall neben der Energieleiste und je mehr Angriffe man blockt, desto rötlicher verfärbt er sich. Die Kristalle nehmen also wahr, wie sich das Aggressionsgewicht der Kämpfer verteilt. Nun, das rote Leuchten ist jetzt erst einmal nicht so schlimm, abgesehen davon, dass einem im schlechteren Gauge-Zustand leichter mal ein Kleidungsstück abgeschlagen wird, wodurch der entsprechende Bereich angreifbarer ist (richtig gelesen: Das ist kein Fanservice für die Ivy-geilen Brustfetischisten! ...nicht nur). Falls es allerdings mal dazu kommt, dass man im extrem-roten Bereich landet, so dass die Energieleiste anfängt rot zu blinken, dann sollte man äußerst vorsichtig sein. Ein weiterer Treffer könnte nämlich den Seelen-Kristall sprengen und dann steht man nicht nur mit heruntergelassenen Hosen da, sondern kann auch leicht einem Critical Finish (das sind vergleichsweise lasche, animierte Super-KOs, die Namco ganz offensichtlich von Mortal Kombat geklaut hat) zum Opfer fallen, der einen in jedem Falle umhaut. Insgesamt alles kleine Neuerungen ohne die man auch leben kann und darf.

Bewegen wir uns weiter zum Online-Modus. Man darf sich ja inzwischen endlich mal weltweit mit anderen Waffenschwingern prügeln. Das heißt... manchmal. Wenn das Spiel es denn möchte. Einen Gegner zu finden gestaltet sich nämlich als überraschend schwierig.

-> Xbox Live

-> Standard Versus

-> Ranked Match

-> Quick Match

[Searching...]
[Matching...]
[The game session is full.]

Nochmal...


[Searching...]
[Matching...]
[The game session is full.]

Okay, noch mal...


[Searching...]
[Matching...]
[The game session is full.]

Grr...


[Searching...]
[Matching...]
[...]
[...]
[The game session is full.]

GAAAAAAAH!


Es braucht mehrere Minuten, bis man einen Gegner gefunden hat. Vorteil: Man hat einen Gegner gefunden! Nachteile: Über das Quick Search könnte das gesamte Match tierisch laggen, was grade die wichtige Präzisionsarbeit in SC total vermiest und das Spiel in einen generischen Buttonmasher verwandelt, und zum anderen bekommt man nicht die Gelegenheit, ein Rematch gegen denselben Gegner zu vollführen. Also geht der ganze Spaß wieder von Vorne los, hurrah! Und manchmal gibt es Ärsche, die das Match kurz nach ihrem Verlust verlassen und einem so den Zugriff auf die erspielten Erfahrungspunkte verwehren. Penner!

Alternativen gibt's zum Glück, aber keine weitaus besseren: Über Custom Match kann man immerhin einsehen, welche Feinde eine gute Verbindung haben, aber dann muss man natürlich erst den betreffenden Kampf auswählen und in der Zeit hat sich schon längst jemand anderes dazwischengeschoben. Game session is full. Blargh. Im nicht gewerteten Player Match ist einem zumindest noch das Rematch gegönnt, aber ich würde schon gerne Punkte sammeln.

Aber wir haben ja noch den Singleplayer! Da muss es doch einen Lichtschein geben!
...Leider nicht. Der Waffenmeistermodus wurde, wie auch viele Multiplayermodi, vollständig eliminiert. Dafür gibt es jetzt drei ziemlich ähnlich dreinschauende Beschäftigungsmöglichkeiten für den Einzelkämpfer: Story, Arcade und Tower of Lost Souls. Im Arcademodus kloppt man sich durch eine Reihe Solokämpfe und besiegt am Ende den Obermotz Algol. Der Storymodus bietet eine kleine Geschichte zum Charakter und eine, meistens recht ansehnliche, Endsequenz. Allerdings hätten die ruhig mal für den letzten Teil der Serie die Stories ein wenig aufpeppen können. Huiii, Soul Edge ist mal wieder IRGENDWIE zusammen gekommen, nachdem es MAL WIEDER zersplittert und eigentlich zerstört wurde und das Soul Calibur muss es MAL WIEDER aufhalten und jetzt ist da noch dieser untote König, der aber meistens ziemlich egal ist, da man alternativ auch goody-goody Siegfried oder Darth Nightmare eins auf's Maul hauen kann. Änderung im Kampfgeschehen: Man stellt sich meistens einem Team aus CPUs und alle Kämpfer besitzen Fähigkeiten, die ihnen durch Waffen oder Ausrüstung verliehen wurden. Ähnlich sieht's im Tower aus, wo man sich entweder hochkämpfen darf und man durch das Erfüllen geheimer Bedingungen Items erspielt oder man kämpft sich vom Dach bis zum Boden (metaphorisch) und schaut im Survival-Stil, wie viele Seelen man besiegen kann. Insgesamt alles recht öde, aber leider ein notwendiges Übel für eines der besten Features schlechthin: Den Character Creator!

Dieser ist mal ein wirklich kräftiges Tool zum Editieren von Hauptcharakterkostümen (so konnte ich Cervantes mal eine schnieke Kluft gönnen. Sein Hellbeard-Outfit bzw. der Ritter von der goldenen Gestalt sehen ja wohl beide mehr als peinlich aus) oder zum Erstellen von vollkommen neuen Charakteren. In Bezug auf Gesichter und Körperproportionen ist das Gerät leider ein wenig schwach auf der Brust (Kämpfergröße lässt sich gar nicht einstellen, die Beleibtheit des Kriegers nur wenig), dafür haut die Kleidungsausstattung gut rein und lässt mich zu einem kleinen, von Anziehpuppen besessenen, sabbernden Mädchen werden. Und solche Werkzeuge verleihen natürlich umgehend zur Nachmache von bekannten Figuren anstatt dass man sich mal selbst was überlegt. Zwei Bleistifte:





Verzeiht die schlechte Bildqualität, es wurde direkt vom Bildschirm abfotografiert, weil unsere Videobox mal wieder den Dienst quittiert hat. Marode Technik!

Falls ihr es nicht auf Anhieb erkennen solltet: Das sind die zwei Meisterstücke Raiden (aus Mortal Kombat) und der Hulk (aus sich selbst). Mit dem Editor kann man auf jeden Fall eine Menge Spaß haben, da gibt's eine ganze Menge Müll anzuziehen. Bastelt mal eure Freunde nach, das macht tierisch Spaß und zuweilen können die Ergebnisse sogar erschreckend lebensnah wirken! Habe mir auch gestern das erste Kostüm-Paket für 100 MS-Points gesogen, aber das lohnt nicht wirklich. Es sei denn, man vermisst jetzt wirklich die alten Helme/Masken von Astaroth, Voldo und Nightmare oder Sophitias alten Brustpanzer.

Nun ja, bleibt das Endfazit über: Offline-Multiplayer ist top, Charakter-Editor ist top, alles andere ist ziemlicher Gümmel. Wenn ihr also ein gutes Gameplay- und Grafikupdate für euer Soul Calibur wollt, dann greift ruhig zu. Auch wenn der Singleplayer verkackt und der Online-Multiplayer wohl noch eine ganze Weile nicht ordentlich spielbar ist, so bereue ich den Kauf auf jeden Fall nicht. Hätte schlimmer kommen können. Hätte vom Tekken-Team entwickelt werden können. Rian

P.S.: Die Polizei sucht inzwischen nach dem Entführer der tollen Ansager-Sprüche. Unter anderem folgende Phrasen werden von der Polizei nach Anzeige durch die Spielatmosphäre gesucht:

"The Legend will never die."
"Welcome to the stage of history."
"...was seriously wounded, but the soul still burns."
"Transcending history and the world, a tale of souls and swords, eternally retold."


Falls sie einen dieser Sätze erkennen sollten, dann melden Sie sich bitte noch heute beim Kontaktformular. Vielen Dank.
04.08.2008 | Rian | Fanlove
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