Cyborg F.R.E.Q. 5

(Artikel)
Haris Odobasic, 12. September 2012

Cyborg F.R.E.Q. 5

Premium-All-Rounder im Test

Wer Cyborg hört, denkt im ersten Moment wohl an hochwertiges Zubehör für anspruchsvollere Gamer, wie die R.A.T.-9-Mäuse oder das S.T.R.I.K.E.-7-Keyboard, die neben einem abgefahrenen Sci-Fi-Design vor allem durch eine hohe Anpassbarkeit und Individualisierung auffallen. Daher war es wohl für den ein oder anderen überraschend, als die Amerikaner anfang dieses Jahres angekündigt hatten, sich auch an einem Headset zu versuchen -- dem F.R.E.Q. 5, das die offene Zielstellung hat, für die Belastungen von LAN-Turnieren gewappnet zu sein.

Schon auf den ersten Blick erkennt man, dass hier Cyborg am Werk war. Die Designlinie des amerikanischen Hardware-Herstellers ist auch beim F.R.E.Q. 5 charakteristisch: viele Kanten verleihen dem Headset einen futuristischen Look, der garantiert Blicke auf sich ziehen wird. Ich persönlich fand das Design noch im Rahmen und sehr ansprechend, hatte aber auch einige gegenteilige Meinung dazu gehört. Wenn auch primär von Leuten, die die Skullcandy-Ohrstöpsel für gute Kopfhörer halten.


Interessantes Bedienkonzept: Lautstärkeregelung, Mute-Button und der Knopf für den Equaliser befinden sich alle direkt am Headset. Intuitiv platziert und deswegen überraschend gut zu erreichen.
Schaut man sich die Kopfhörer genauer an, fallen noch einige Details auf. So ist das Kabel zusätzlich ummantelt und die Kopfhörer lassen sich um 90° in eine Richtung drehen, was es ermöglicht, das Headset für den Transport etwas flacher zu machen. Und setzt man das F.R.E.Q. 5 schließlich auf, kann man gleich positiv feststellen, dass es sehr gemütlich sitzt. Die einzelnen Muscheln, die über das Ohr gehen, sitzen fest, drücken aber nicht und durch das geringe Gewicht lässt sich das Headset auch problemlos mehrere Stunden am Stück benutzen. Einzig und alleine bei Brillenträgern könnte es etwas unangenehm werden, weil dort der feste Sitz auch etwas Druck auf das Brillengestell ausübt.

Insgesamt macht die Verarbeitung aber einen sehr guten Eindruck, weswegen ich das F.R.E.Q. 5 unter einige Belastungsproben gestellt habe, indem ich es neben dem normalen Hausgebrauch auch generell mal einige Wochen als Kopfhörer für meinen MP3-Player nutzte und auf ein paar LANs damit war. Ich durfte aber erfreut feststellen, dass das Gerät sich keine Blöße gab. Nicht nur, dass es kleinere und größere Unfälle, wie vom Tisch zu fallen oder halb mit dem Stuhl überrollt zu werden, problemlos überstand, es trug nicht mal Abnutzungsspuren davon. Irgendwann ließ ich das Headset sogar spaßeshalber aus dem zweiten Stock fallen, was zumindest für einen leichten Kratzer sorgte, aber die Funktionalität in keinster Weise beeinträchtigt hat. Ich empfehle euch übrigens nicht, das zu Hause nachzumachen, falls ihr nachschauen wollt, ob euer Headset auch so gut verarbeitet ist.

Aber genug vom Äußeren, kommen wir zu den inneren Werten. Und hier hatte ich meine größte Sorge, denn meine bisherigen Erfahrungen mit Headsets waren eher traumatisch. Und das Spec Sheet des F.R.E.Q. 5 konnte mich da auch nicht beruhigen: ein Frequenzbereich von 20Hz bis 20KHz ist vollkommen ausreichend, um alles, was für das menschliche Ohr hörbar ist, zu reproduzieren. Und auch vollkommener Standard! Das steht auch auf den allerbilligsten Supermarktstöpseln drauf und heißt meist nichts Gutes.

Zum Glück sollte sich beim Hör-Test herausstellen, dass das schlechte Omen sich nicht bewahrheiten würde, das F.R.E.Q. 5 seinen Job doch ziemlich ansprechend erfüllt und, man mag es ja kaum wagen es zu sagen, richtig gut klingt. Insbesondere sticht die glasklare Reproduktion, die auch bei höherer Lautstärke erhalten bleibt und es ermöglicht Höhen, Mitten und Tiefen ordentlich zu genießen, positiv heraus. Auch der Bass bleibt klar und das übliche Problem bei solchen Headset-Konstrukten, die zwar lauten Bass bieten, der aber absolut matschig durch die Ohrhörer bläst, tritt nicht auf. Gerade das ist andererseits aber auch ein kleines Problem des F.R.E.Q. 5, welches ziemlich basslastig abgestimmt sind, was beim Spielen oder Hören gewisser Musikrichtungen nicht wirklich stört, doch in anderen Fällen eben das Tonbild etwas zu stark einfärbt. Und auch wenn beispielsweise die Dynamiken fehlen, die man von High-End-Kopfhörern erwartet, müssen sich die F.R.E.Q. 5 zumindest im mittleren Preissegment von 50 - 100 € nicht vor richtigen Kopfhörern verstecken, was für ein Gaming-Headset beachtlich ist.


Während die Isolation von Geräuschen von der Außenwelt durch die Kopfhörer hindurch schon nur mäßig ist, kann man die Isolation von den Kopfhörern nach draußen nur als mangelhaft bezeichnen. Das ist ein typisches Problem von Kopfhörern, die nicht gerade den Ohrkanal verstopfen, und bei den F.R.E.Q. 5 leider ziemlich ausgeprägt. Man muss Musik nicht mal wirklich laut hören, damit auch alle Menschen in eurer Nähe mithören können, was auf einer LAN oder wenn ihr alleine seid noch in Ordnung ist, aber wenn man die Kopfhörer jetzt zum Beispiel unterwegs nutzen will oder auch mal in der Uni oder auf der Arbeit, wird man sich doch schnell angewöhnen, vorsichtshalber etwas leiser zu hören als einem lieb ist, um sicherzustellen, dass niemand Unschuldiges von seinem Musikgeschmack belästigt wird.

Ganz praktisch: ein rotes Leuchten an der Mikrospitze verrät euch, wenn ihr auf stumm geschaltet habt.
Am Mikro hingegen lässt sich nicht meckern. Die Aufnahme ist sehr klar, was ihr sicherlich auch bei den letzten Lets Plays von Jozu bemerkt haben dürftet, wenn seine Stimme nun so klingt, wie als wenn er direkt neben euch hocken würde! Außerdem isoliert das Mikrofon Außengeräusche, weswegen der Fernseher oder der Ventilator gerne im Hintergrund anbleiben darf, ohne, dass sich eure Gesprächspartner daran stören würden.

Als netten Bonus liegen dem F.R.E.Q. 5 zwei Kabel bei. Ein 1m langes Kabel mit 3,5mm-Klinkenstecker sowie ein 2m langes Kabel mit USB-Anschluss. Das ermöglicht es die Kopfhörer auch an mobilen Geräten zu nutzen und an manchen Handys, beispielsweise denen von HTC und dem iPhone. Dort kann man damit dann nicht nur Musik hören, sondern auch Gespräche führen. Am PC sollte man allerdings auf den USB-Anschluss setzen, da das Mikro sonst nicht funktioniert und man auch nicht Zugriff auf die drei Equalizer-Funktionen hat, die meiner Meinung nach ziemlich nützlich sind. Gerade das Voice-Setting finde ich praktisch, wenn man mit anderen Leuten spielt und sie trotz der ganzen Spielesounds noch immer gut verstehen will.

Bei Gaming-Headsets hat man oft das Gefühl, dass irgendwo ein Kompromiss eingegangen wurde. Entweder sie klingen nur mäßig, das Mikro hat die Aufnahmequalität eines Diktiergeräts aus der Vorkriegszeit oder es geht einfach bei der erstbesten LAN kaputt, und das nur, weil man mal mit dem Stuhl übers Kabel gefahren ist. Und wenn solche Headsets dann auch noch versuchen, sich in mehreren Bereichen zu profilieren, steigt der Kompromiss-Faktor exponentiell an und man hat ein Produkt, das viel ein bisschen kann, aber nichts auch nur annährend zufriedenstellend.
Das F.R.E.Q. 5 geht keine Kompromisse ein in seinem Versuch, sich als All-Rounder darzustellen. Egal ob LAN, Skype-Konferenz oder um einfach nur einen Film zu schauen beziehungsweise Musik zu hören -- in allen Disziplinen kann sich das Headset auszeichnen. Und auch wenn die kleinen Mängel den sehr guten Eindruck leicht trüben, kann man den Amerikanern hier nur zu einem gelungenen Einstand gratulieren, der das F.R.E.Q. 5 gerade für hochfrequente LAN-Besucher zu einem Pflichtprodukt machen dürfte, auch trotz des ziemlich hohen Preises, der offiziell bei 149,99 € liegt. Evil

Kommentare

Rian
12. September 2012 um 23:15 Uhr (#1)
Ich als Brillenträger kann sagen, dass mich das längere Tragen des Headsets nicht stört.

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